Ich bin gefesselt. Ans Bett. Und das schon die ganze Woche. Ich sag nur: Grippe. So eine, wie ich sie gerade habe, wünsche ich niemandem … Doch irgendwie hab ich Schwein gehabt.

Nach zwei Tagen ging’s mir schon besser und so kann ich nun mal in Ruhe das Buch lesen, dass seit zwei Jahren auf dem Nachttisch neben meinem Bett liegt … Also: Alles Gute und bis die Tage!
Grippezeit
Kreuzfahrt
Oh Mann, habe ich Bauchschmerzen. Martha ist wild entschlossen, mit mir auf Kreuzfahrt zu gehen. Von so einem Urlaub träumt sie schon seit Jahren. Sie meint, mittlerweile gäbe es so viele tolle Angebote, da wäre man doch blöd, wenn man nicht zugreifen würde. Na prima, und was mach ich so lang? Mich macht allein der Gedanke schon seekrank. Ich gehöre nämlich zu den Kinetose-Kandidaten, falls euch das was sagt. Reisen der bewegten Art sind für mich der reinste Alptraum – jede kleinste Schwankung quittiert mein Körper mit Blässe, Schwindel und Kopfweh. Martha scheint das nicht wirklich zu beeindrucken. Sie lässt nicht locker und will unbedingt, dass ich sie aufs Meer begleite. Und natürlich hat sie auch eine Idee, wie ich mich auf das Abenteuer perfekt vorbereiten kann. Haltet euch fest: mit einem Wasserbett.

Das Beste: Der Simulator für den Hausgebrauch ist bereits bestellt. Misst 2m mal 2m und müsste in Kürze bei uns eintreffen. Ab dann wird es wohl jeden Abend heißen: raus aus dem Schlafanzug, rein in die Badehose – Probeschlafen für den Urlaubs-Ernstfall. Wenn ich ihr jetzt noch sage, dass ich gar nicht schwimmen kann, wird sie gleich noch den Bademeister dazubestellen. Ach Quatsch, viel besser, ich hör sie schon sagen: Liebling, das ist doch kein Problem, auch Schwimmkurse sind Teil des Animationsprogramms an Bord. Na dann, gute Nacht!
Tageszeitung
Ist Müllentsorgung auf fremdem Grundstück ein krimineller Akt? Und was treibt einen leicht bekleideten Menschen in Hausschuhen an, sich um 5 Uhr 15 in der Früh mit einem Stapel gestriger Zeitungen durchs Straßendunkel zu schleichen und Altpapier innovativ loszuwerden? Diese Fragen rasten mir durch den Kopf, seitdem ich Augenzeuge davon wurde. Warum ich so früh draußen bin? Mit meiner Arbeit hat das nichts zu tun, das stimmt. Denn wenn es danach ginge, hätte ich noch zwei Stündchen liegen bleiben können. Doch an jenem Morgen war ich Privatdetektiv. Mein Auftrag: Herausfinden, wer uns die druckfrische Tageszeitung stibitzt und dafür die vom Vortag ins Rohr steckt. Seit anderthalb Wochen gab es dieses Phänomen. Mein Verhör des Austrägers ergab: Er war sauber. Hoch und heilig schwor er, sie gewissenhaft zugestellt zu haben. Also fasste ich den Plan, mich auf die Lauer zu legen. Das war jener besagte Morgen. Mein Versteck: das Baumhaus unserer Nachbarn von Gegenüber – die Rosenfelds. Ich weihte Jeremy Rosenfeld, den Senior der Familie, in mein Projekt ein. Kurz vor 5 bezog ich meinen Posten. Fast pünktlich um 5 fuhr knatterte der Zusteller mit dem Moped vor unser Haus und machte seinen Job. Der schied schon mal aus. Dann war es ruhig. Niemand weit und breit. Bis 5 Uhr 15.

Von rechts trottete eine Gestalt auf unser Haus zu. An den Millers vorbei, blieb sie vor unserer Einfahrt stehen. Ein kurzer Blick, ein schneller Griff – schon zog der oder die Zeitungsmopser weiter. Ich versuchte die Strickleiter runterzuklettern… doch hektisch verfehlte mein rechter Fuß die Stufe. Ich konnte mich gerade noch so halten, hing aber hoffnungslos in den Seilen. Die komische Gestalt war natürlich längst verschwunden. Und mit ihr die Zeitung. Nur gut, dass Jeremy Rosenfeld morgens mit dem Hund geht…. Ich konnte es kaum erwarten.
Discounter-Desaster
Ich kann mich irgendwie nicht daran gewöhnen, wie schnell die Zeit vergeht! Schon wieder liegt eine Woche hinter mir. Was bleibt, ist die Erinnerung an meine Wahnsinns-Tat. Es war eine gute Tat. Und das ist im Prinzip die schlechte Nachricht. Worin sie bestand? Nun, ich nenne es mal mein persönliches Discounter-Desaster.

Es geschah letzten Samstag, als ich wie an jedem Wochenende zum Einkaufen in den Supermarkt fuhr. Als erstes wollte ich eine volle Autoladung leerer Flaschen abgeben. Es war nicht weniger als die Ausbeute eines ganzen Monats. Ich geh also zum Leergutautomaten und schiebe eine Flasche nach der anderen rein. 10 Minuten lang. Dann drück ich auf den Knopf. Nur leider auf den falschen, wie ich direkt feststellen musste. Was kam, war nicht der Bon aus Papier, sondern nur ein Dankeschön auf dem Display für meine spontane Spende. Spende?! Ja, ihr habt richtig gehört. Neuerdings haben diese Automaten zwei Buttons. Ganz dicht nebeneinander. Ganz schön clever vom Automaten. Einen für den Bon. Den anderen zum Spenden. Ich hatte mich wie selbstverständlich für den zweiten entschieden. In welchen guten Zweck meine 18,50 Euro geflossen sind, nun, das weiß ich leider nicht. Aber eins weiß ich: Das war’ n ganz schön teure Drinks!
Die Hochzeit
Was soll ich euch sagen?! Mich hat es erwischt. Denkt nicht, ich hätte mich über beide Ohren in eine andere Frau verliebt. Ich hab doch Martha. Meine Martha. Nein, ich habe mir was eingefangen. Keine Erkältung, nein. Einen Brautstrauß. Ja, ganz genau. Ein Brautstrauß kam zu mir geflogen. Im hohen Bogen.

Klar weiß ich, dass der eigentlich für weibliche Hochzeitsgäste bestimmt ist. Aber was sollte ich denn machen. Es war ein Reflex… ich habe einfach zugepackt. Es war am Sonntag. Wir waren eingeladen bei Merryl, einer Kollegin von mir aus dem Controlling. Sie und Matthew wollten sich das Jawort geben. Das haben sie auch. Die Kirche war brechend voll. Die Zeremonie zu Ende und das Hochzeitspaar auf dem Weg nach draußen. Ich hatte ihr versprochen, Bilder zu machen. Das tat ich dann auch. Knipsen war gar nicht so einfach, weil so unglaublich viel los war und die Gäste hektisch hin und her gesprungen sind. Ich war gerade dabei, die schöne Hochzeitslimousine festzuhalten. Um eine bessere Perspektive zu finden, ging ich einige Meter rückwärts. Bis ich plötzlich Widerstand spürte. Es war Merryls Schwester. Ich drehte mich um und wollte gerade ein lachendes Sorry loswerden, als es über mir dunkel wurde. Dann rauschte es und mir fiel etwas in den Schoß: der Brautstrauß. Bingo! Sollte ich etwa der Nächste sein? Die Gesellschaft um mich rum hatte ihren Spaß. Jetzt stand ich im Fokus und andere zückten ihre Kameras…
Karaoke
Technischer K.O. in Runde eins beim Karaoke, ist euch so etwas schon mal passiert? Mir leider schon. Und zwar vorgestern bei unserem Abteilungsfest. Hätte halt besser auf mein Gefühl hören sollen. Wollte nämlich eigentlich nicht mit. Doch meine Kollegen haben nicht locker gelassen und mich zum Mitkommen überredet. So war unser Ziel nach Feierabend ein Irish Pub in der Innenstadt – gar nicht weit weg von unserem Büro. Wir gehen eine steile Kellertreppe hinab und stehen dann plötzlich mittendrin in einem großen Raum umgeben von steinernem Gemäuer. Ganz hinten die Theke, an den Seiten die schon ordentlich besetzten Tische und vorne – Achtung! – eine Bühne. Hier bereits Verdacht, Verdacht! Direkt daneben ein Mann an der Technik. Spätestens jetzt hätte ich mich verdrücken sollen. Doch zu spät. Für uns war reserviert.

Geschätzte vier Guiness-Runden später, die Bedienung teilte gerade aus, tauchte Kollege Wulnikovsky hinter mir auf und hielt mir ein Mikrophon vor die Nase. Die Stimmung am Tisch eskalierte. Er schaffte es, mich auf die Bühne zu drängen. Ehe ich mich versah, stand ich im Spotlight. Auf einem Monitor vor mir tickerte der Text zu Urgent von Foreigner. Ich versuchte mitzuhalten. Meine Abteilung grölte, der Pub stand Kopf. Plötzlich ein lauter Knall. Alles schwarz. Reflexartig gehe ich einen Schritt nach vorn – oben spüre ich festen Widerstand – der Monitor, wie sich später herausstellt, – unten verliere ich den Boden. Ich stürze… und falle hart. In diesem Augenblick geht das Licht wieder an. Die Musik läuft weiter. Ich liege dem Publikum zu Füßen. Müsste das nicht eigentlich andersherum sein?
Trennkost
Ich versteh’ ’s nicht. Aber vielleicht habt Ihr ’ne Idee!? Also es ist so: Meine Gattin macht Trennkost. Die praktiziert sie nun schon in der zweiten Woche. Natürlich wollte ich sie dabei unterstützen, so wie es sich für einen guten Ehemann gehört. Doch irgendwas lief wohl schief: Denn an unserem ersten gemeinsamen Trennkost-Abend, sie war gerade in der Küche und bereitete das Essen vor, bin ich aus dem Haus gegangen. Nun, mein Plan war der: in die Stadt zu fahren und mir beim Thai mein Lieblingsgericht (die 11, vegetarisch, ohne Glutamat und leicht scharf) zu holen. Das hab ich gemacht und war auch rasch wieder zurück.

Martha hat davon gar nichts mitbekommen. Schnurstracks bin ich mit meiner heißen Reispfanne in den ersten Stock, habe mich auf unsere Loggia gesetzt und angefangen zu essen. Mmmh, lecker war’s. Bis es plötzlich laut wurde und schrecklich polterte. Martha stampfte die Treppe hoch und stand aufgebracht in der Tür. Seit einer Ewigkeit würde sie mich suchen und rufen, schrie sie. Das Essen sei längst fertig und stünde auf dem Tisch. Oh, sie war nicht zu beruhigen. Ob das jetzt die allerneueste Marotte wäre, mich hier oben zu verstecken und selbst zu versorgen, fragte sie dann noch. Aber Liebling, erwiderte ich, du machst doch Trennkost… Da müssen wir doch getrennt voneinander essen, oder nicht? Als ich das gesagt hatte, schüttelte sie den Kopf, ging und schwieg für längere Zeit. Versteht Ihr das?
Apfel vs. Goldfisch
Ich sag euch: In dieser Woche war was los bei uns. Streit mit den Nachbarn wegen des Apfelbaums im Garten. Der wächst denen über den Kopf und uns aufs Grundstück. Doch ich muss ehrlich sein. Natürlich hat auch was Gutes. Nämlich eine satte Steige Äpfel pro Saison. Doch nicht alle fallen ins Gras. Viele rollen nach dem Aufprall direkt in unseren Teich. Und hier beginnt das Problem. Mein Problem. Nicht nur, dass ich der Einsammler bin. Martha kriegt regelrecht die Krise, wenn ihre heiß geliebten Goldfische eins aufs Dach bekommen. Opfer sind bislang zum Glück noch keine zu beklagen.

Ich war damit betraut, die Millers, so heißen die Nachbarn zu unserer Linken, höflich aber bestimmt auf die Apfelbaum-Problematik hinzuweisen. Also hab ich ihn, Hardy Miller, gestern Morgen angesprochen, als er gerade in seiner Garage werkelte. Hardy, hab ich gesagt, mit eurem Apfelbaum musst du dir was einfallen lassen. Martha hat Angst um ihre Fische. Ich hatte es kaum ausgesprochen, da schrie er auch schon los. Wir sollten uns nicht so anstellen. Was sei schon ein winziger Goldfisch im Vergleich zu mehr als hundert Gläsern Apfelmarmelade frei Haus … Zu meinem Erstaunen bin ich ganz ruhig geblieben, zurück ins Haus gegangen und hab Martha gesagt, die Millers wollen sich drum kümmern.
Traumhaft
Billy, Benno, Ivar, Malm und wie sie alle heißen … Habt ihr auch Erfahrung im Aufbauen der beliebten Schwedenmöbel mit den vier großen Buchstaben? Ich hab die Tage mein Meisterstück gemacht. Martha wollte unbedingt das Gästezimmer neu herrichten. Sie meinte, das alte Bett und die jahrhundertealte Matratze seien unserer Gäste nicht mehr würdig. Dabei kommt doch eh keiner zu Besuch, hab ich so gedacht.

Okay, ihre Mutter jedes Jahr an Weihnachten. Aber sonst… ist tote Hose bei uns. Und doch. Ein neues Bett musste her. Das schwedische Modell bekam den Zuschlag – und ich den Auftrag fürs Zusammenbauen. Ist ja vom Prinzip schon gut gemacht, dass jeder Nicht-Schreiner seine Möbel mit eigenen Händen in Form und Funktion bringen kann. Kann man echt nicht meckern. Ruck zuck hatte ich den Dreh raus. Lattenrost draufgelegt, Matratze aus der Schutzfolie geholt und eingepasst. Aber ab dann kann ich mich an nichts mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass Martha mich fürchterlich hin und her geschüttelt hat. Ich bin dann aufgewacht. Ach, so ein Nickerchen ist einfach was Feines…
Shushi-Kochkurs
Hier ist mal wieder euer Tom. Wisst ihr was: Habe gestern Abend das erste Mal am Sushi Kochkurs teilgenommen. Den haben mir die Kollegen zum Geburtstag geschenkt. Weil ich mag Sushi sehr. Unser Kursleiter heißt Nomura, ist ein echter Japaner und ein Meister der Rohfischrollerei. Ich will das auch können. Deshalb hab ich mich im Kurs mächtig angestrengt. Anfangs rollte es wirklich richtig gut. Bis… ja bis meine Nachbarin an der Arbeitsplatte plötzlich total panisch wurde. Ihr Ehering sei weg. Sie wüsste ganz genau, dass sie ihn hier ausgezogen und vor sich hingelegt hätte.

Nomura kam zu ihr an den Platz und beruhigte sie erst mal. Dann schaute er links und rechts nach den Röllchen. An einem blieb er hängen. Es war ausgerechnet eins von meinen. Und zwar das mit Lachs gefüllte. Er nahm die Stäbchen und hantierte an der Rolle rum, bis sie auseinanderklappte. Und siehe da: Es steckte der Ring drin. Nomura sagte nur: Das kann passieren, darf aber nicht. Worauf ich sagte: Liebe geht eben durch den Magen…